Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse

Bericht aus dem Jahre 2012

- (bitte neue Grenzhöhen beachten, die hier genannten beziehen sich auf das Jahr 2012)


Quelle: ARD Mediathek - Morgenmagazin

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Freiwillige Versicherung nicht für jeden

Wer zurück in die gesetzliche Kasse möchte, muss jedoch bestimmte Regeln beachten. Es gibt zwar in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur Pflichtmitglieder, sondern auch freiwillig Versicherte. Der freiwillige Beitritt ist jedoch nur möglich, wenn jemand zuvor schon gesetzlich versichert war, zum Beispiel über eine Pflichtversicherung als Arbeitnehmer oder über die Familienversicherung beim Ehepartner. In den meisten Fällen müssen Privatversicherte daher erst einmal wieder versicherungspflichtig werden. Ihren freiwilligen Beitritt müssen sie dann innerhalb von drei Monaten nach Ende der Versicherungspflicht bei der Kasse beantragen.

Ab 55. Lebensjahr ist Rückweg versperrt

Arbeitnehmer haben es relativ leicht, versicherungspflichtig zu werden, sofern sie das 55. Lebensjahr noch nicht erreicht haben: Sie müssen nur ihr Einkommen für ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze von 50.850 Euro brutto im Jahr (2012) senken, das sind 4.237,50 Euro im Monat. Für diejenigen, die bereits am 31. Dezember 2002 privat versichert waren, gilt eine niedrigere Grenze von 45.900 Euro brutto im Jahr. Ab dem 55. Geburtstag sind die Regeln strenger, dann kommen selbst Geringverdiener oder Arbeitslose nur noch in wenigen Ausnahmefällen in die gesetzliche Kranken versicherung zurück.

Arbeitnehmer müssen Einkommen senken

Ihr Einkommen können Angestellte auf verschiedene Weise senken. Sie können beispielsweise für ein Jahr ihre Arbeitszeit reduzieren. In dieser Zeit sinkt allerdings nicht nur das Einkommen, auch die späteren Rentenansprüche sind betroffen. Wenn der Arbeitgeber ein Arbeitszeitkonto anbietet und offen für flexible Lösungen ist, können Arbeitnehmer ihr Gehalt auch reduzieren, indem sie ein Wertguthaben aufbauen, aus dem sie später zum Beispiel ein Sabbatjahr finanzieren. Sie arbeiten also quasi vor, erhalten aber nur einen Teil ihres Lohns. Der andere Teil fließt in das Guthaben und zählt erst dann als Einkommen, wenn es ausgezahlt wird.

Selbstständige haben es schwerer

Noch schwerer als Arbeitnehmer haben es Selbstständige. Sie werden unter keinen Umständen versicherungspflichtig, so lange sie hauptberuflich selbstständig sind. Auch eine Familienversicherung beim gesetzlich versicherten Ehe- oder Lebenspartner ist ihnen nicht erlaubt. Der einzige Ausweg für sie besteht darin, die hauptberufliche Selbstständigkeit für mindestens zwölf Monate aufzugeben und sich ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu suchen – und das vor dem 55. Geburtstag.

Minijob reicht nicht

Selbst wenn jemand seine hauptberufliche Selbstständigkeit aufgibt, wird er nicht in jedem Job versicherungspflichtig. Eine geringfügige Beschäftigung (Minijob) reicht zum Beispiel nicht aus. Außerdem muss dieses Beschäftigungsverhältnis dann für mindestens zwölf Monate am Stück bestehen. Scheidet jemand danach aus der Versicherungspflicht aus, zum Beispiel weil er wieder selbstständig arbeitet, hat er endlich das Recht, sich freiwillig gesetzlich weiterzuversichern. Er muss dies nur binnen drei Monaten seiner Krankenkasse mitteilen.

TIPPS

Altersgrenze: Falls Sie die private Krankenversicherung verlassen möchten, leiten Sie dies vor Ihrem 55. Geburtstag in die Wege. Danach haben Sie kaum noch eine Chance, in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren.

Tricks: Probieren Sie keine Tricks, um sich in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzumogeln. Sie riskieren sonst, dass Ihnen die Mitgliedschaft aberkannt wird und Sie nur noch im Basistarif der privaten Krankenversicherer unterkommen. Insbesondere von Scheinarbeitsverhältnissen für Selbstständige ist abzuraten.

Beratung: Ein misslungener Rückkehrversuch kann teuer werden. Lassen Sie sich deshalb vorher beraten. Hilfe finden Sie bei Verbraucherzentralen, Rechtsanwälten mit Schwerpunkt Sozialversicherungsrecht oder Fachanwälten für Sozialrecht, ebenso bei unabhängigen Versicherungsberatern oder Rentenberatern. Auch die gesetzlichen Krankenkassen geben Auskunft.

Tarifwechsel: Beiträge sparen können Sie oft auch durch einen Tarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung. Jeder Privatversicherte hat das Recht, in einen gleichartigen günstigeren Tarif seiner Versicherungsgesellschaft zu wechseln. Lesen Sie hier mehr zum Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung.